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Alt 29.05.2018, 12:24 #11
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Die Lichtmaschine ist fertig !

Hallo!

Weil für die Weiterarbeit am Lenkgetriebe erst ein Paket ankommen musste (inzwischen ist es da), habe ich die Zeit genutzt, um die Lichtmaschine fertig zu machen. Das auch deshalb, weil ich es nicht unbedingt als angenehm empfinde, mehrere Sachen gleichzeitig auseinander und in Arbeit zu haben.

Der letzte Stand der Lichtmaschine war der, dass ich die gestrahlten Gehäusehälften fertig gemacht hatte:




Jetzt konnte der Statorspulensatz...


...sauber gemacht werden. Er enthält die drei Spulen, in denen später im Betrieb die Ausgansspannung der Lichtmaschine, mit der die Batterie geladen und die Fahrzeugelektrik versorgt wird, erzeugt wird. In diesen drei Spulen entstehen drei um jeweils 120 Grad phasenverschobene Wechselspannungen, die deshalb auch Drehstrom genannt werden, und die danach gleichgerichtet werden müssen.

Dieser Spulensatz ist in der riemenseitigen Gehäusehälfte in allen Richtungen verschiebbar und muss genau ausgerichtet werden. Dazu muss auch der Rotor eingesetzt werden:


Der Spalt ringsherum zwischen Spulensatz und Rotor ist mit maximal 1,5 mm sehr klein. Das ist nach den Regeln des Elektromagnetismus wichtig, weil je kleiner der Abstand, um so höher die induzierte Spannung. Der Spulensatz muss vor dem Befestigen genau ausgerichtet werden, damit der Rotor nirgendwo schleift und damit der Spalt ringsum an allen Stellen möglichst gleich ist. Befestigt wird er dann an vier Stellen mit diesen neu verzinkten Klemmteilen und Schrauben:


Auf diesem Foto von oben kann man erahnen, wie schmal der Spalt ist:


Rechts die hintere Gehäusehälfte, die jetzt aufgesetzt und festgeschraubt werden kann:


Jetzt sieht das Teil schon fast aus wie eine Lichtmaschine:




Festziehen der Befestigungsmutter der Riemenscheibe mit einer Werkzeugkombination, zu der auch eine schon fast waffenscheinpflichtige Riesen-Rohrzange gehört. Die Rotorwelle der Lima hat innen eine Aufnahme für eine Torx-Stecknuss der Größe 45, und die Mutter braucht einen Steckschlüssel der Größe 24. Das vorgeschriebene Anzugsmoment beträgt 65 Nm. Statt die Welle festzuhalten und die Mutter zu drehen, kann man natürlich auch die Mutter festhalten und die Welle mit 65 Nm linksherum drehen. Dazu muss der Drehmomentschlüssel natürlich auf Linksbetrieb umgestellt sein:


Sechs schwarze Kunststoff-Isolierstücke. Sie werden über die sechs Spulenanschlüsse geschoben an den Stellen, an denen sie durch die hintere Gehäusehälfte kommen. Denn sie dürfen auf keinen Fall elektrischen Kontakt mit dem Gehäuse haben:


Fertig:


Die nächsten zu verbauenden Teile: Links der neu verzinkte Plus-Anschlussbolzen mit der ebenfalls neu verzinkten Distanzbuchse, unten links die Gewindebuchse dafür, oben die D+ Anschlussplatte und rechts die Diodenplatte:


Links die D+ Anschlussplatte, rechts die Diodenplatte mit moniertem Plus-Anschlussbolzen:


Links die D+ Anschlussplatte mit montierter Distandzuchse, rechts die Diodenplatte von unten. Deutlich ist die Isolierkappe über dem Ende des Plus-Anschlussbolzens zu sehen. Sie verhindert sicher, dass der Bolzen elektrischen Kontakt mit dem Gehäuse der Lichtmaschine bekommt. Denn das wäre wegen der dicken Leitungen ein Kurzschluss, der geeignet wäre, das Auto abzufackeln und/oder die Batterie fürchterlich zu erhitzen:


Nochmal die Diodenplatte von unten. Gut sind die glatten Metallflächen zu erkennen, mit denen sie später auf der hinteren Gehäusehälfte der Lichtmaschine aufliegt. Das ist sehr wichtig für einen guten Wärmeübertritt zur Kühlung der Dioden, von denen sechs Stück direkt auf den Metallteilen der Diodenplatte montiert sind:


Insgesamt enthält die Diodenplatte neun Dioden. Dioden sind elektronische Halbleiter-Bauelemente, mit denen man viel machen kann, unter anderem Wechselspannungen gleichrichten. Diese neun Dioden teilen sich auf in drei Plus-Dioden, drei Minus-Dioden und drei D+-Dioden. Die Plus- und Minus-Dioden sind diejenigen, mit denen die Ausgangsspannung der Lichtmaschine, die die Batterie auflädt und mit der die Fahrzeugelektrik versorgt wird, gleichgerichtet wird. Wegen der hohen Ströme sind es Leistungsdioden, gewöhnlich mit einer Strombelastbarkeit von 50 Ampere.

Im Betrieb werden die Plus- und Minus-Dioden sehr warm. Wenn sie nicht gut gekühlt würden, würden sie nicht lange halten, vermutlich keine fünf Minuten. Zur guten Kühlung sind diese Dioden direkt auf die Metallteile der Diodenplatte montiert. In Bezug auf die elektrischen Eigenschaften sind die Plus- und Minus-Dioden gleich. Aber einen wichtigen Unterschied gibt es: Welcher der beiden Pole am Gehäuse liegt.

Die Minus-Dioden liegen elektrisch mit einem ihrer Anschlüsse = den Anoden an Fahrzeugmasse. Das bietet sich zur guten Kühlung an, weil die direkte elektrische Verbindung zu Masse beste Voraussetzungen für einen guten Wärmeübertritt bedeutet. Hier sind die drei Minus-Dioden, die mit ihrem Gehäuse dirket an der darunter befindlichen Metallplatte liegen:


Bei den Plus-Dioden ist es umgekehrt: Hier liegen nicht die Anoden am Gehäuse, sondern die Katoden, die elektrisch direkten Kontakt zum Plus-Anschlussbolzen der Lima haben. Auf dem nächsten Foto kann man die entsprechende Metallfläche sehen. Bei ganz genauem Hinsehen kann man auch erkennen, dass diese Metallfläche dicker erscheint als die der Minusdioden. Das liegt daran, dass sie auf keinen Fall Kontakt mit dem Lima-Gehäuse haben darf. Deshalb gibt es hier eine weitere, zu ihr gut isolierte dünne Metallfläche, die später auf dem Gehäuse der Lima aufliegt. Das sorgt für guten Wärmeübertritt, verhindert aber direkten elektrischen Kontakt:


Die bisher noch nicht erwähnten drei D+-Dioden sind strommäßig nicht sehr hoch belastet und sehen deshalb fast aus wie normale Dioden. Sie dienen zur Erzeugung der Spannung D+, die für den Betrieb des Reglers und der Lima selbst nötig ist:


Bestreichen der Metallflächen mit Wärmeleitpaste vor dem Einbau der Diodenplatte:


Vor der Montage der Diodenplatte habe ich alle sechs Anschlussstellen der Spulenanschlüsse und einen zur Verbindung mit der D+ Anschlussplatte gründlich zum Löten vorbereitet. Und schon ist die Diodenplatte mit vier neu verzinkten Muttern montiert:




Wegen des hohen Stromflusses, der hohen Temperaturen und der Vibrationen kann es kritisch sein, die Spulenanschlüsse mit den Anschlüssen der Diodenplatte nur zu verlöten. Ich habe sie deshalb vorher einige Male stramm mit einem Draht umwickelt. Die Drahtenden habe ich mit Absicht etwas abstehen gelassen, weil dadurch das Auffinden erleichtert wird, falls diese Verbindungstellen nochmal gelöst werden müssen:


Und verlötet. Wegen der dicken Metallteile reicht dafür ein kleiner Elektronik-Lötkolben nicht aus. Diese drei Spulenanschlüsse gehen elektrisch zu den Dioden:


Dasselbe bei den anderen drei Spulenanschlüssen. Diese drei Anschlussstellen der Diodenplatte machen nichts anderes als nur diese drei Spulenanschlüsse miteinander zu verbinden. Dadurch entsteht, was die Spulen angeht, eine sogenannte Sternschaltung = eine Verschaltungsmöglichkeit für Drehstrom:


Zwischendurch immer mal wieder messen, ob alle Verbindungen richtig sind und ob sich keine Verbindung eingeschlichen hat, die nicht vorhanden sein darf:


Die D+ Anschlussplatte, an der auch der Steckanschluss für den zweipoligen Anschlussstecker der Lichtmaschine ist. Der Stecker, der hier aufgesteckt ist, hat meistens nur ein Kabel, das zur Ladekontrollleuchte im Kombiinstrument geht. Dieser Anschluss ist mit "D+" bezeichnet. Der zweite Anschluss, der die Bezeichnung "W" hat, ist lima-intern direkt mit einem Spulenanschluss verbunden. Entsprechend liegt dort beim Betrieb der Lima eine Wechselspannung, die oft bei Fahrzeugen mit Dieselmotor für den Drehzahlmesser verwendet wird, weil es hier keine Zündimpulse wie bei Benzinmotoren gibt. Die Frequenz dieser Wechselspannung ist proportional der Drehzahl der Lima und damit des Motors. Wenn man sie entsprechend aufbereitet und umrechnet, kann man sie zur Anzeige eines Drehzahlmessers verwenden :




Die elektrische Verbindungstelle zwischen der Diodenplatte und der D+ Anschlussplatte. Original sind hier zwei Metallstreifen, die im Punktschweißverfahren miteinander verschweißt sind. Beim Zerlegen der Lima gibt es keine andere Möglichkeit als diese Verbindungsstelle aufzusägen. Zum Wiederzusammenbau habe ich sie zum Löten gründlich gereinigt:


Auch hier ist es kritisch, diese Stelle nur zu verlöten. Deshalb habe ich sie wie vorher schon andere erst mit einem Draht umwickelt...


...und dann erst verlötet:


Der Regler. Er ist gebraucht und hat schon vor einigen Monaten neue Kohlen bekommen. Es war nicht ganz einfach, sie einzubauen:




Und eingebaut. Langsam wird´s voll im hinteren Teil der Lima:


Aber es fehlt hier auch nur noch ein Teil: Die schwarze Kunststoff-Schiebehülse, die die Schleifringe und die Kohlen abdecken soll: Der Einbau dieser Schiebehülse ist einfach, aber der Ausbau ganz schön fummelig:


Eingebaut. Ebenso wie der neu verzinkte Sechskant-Abstandsbolzen unten links, der zur späteren Befestigung des Lima-Kabelstrangs dient. Jetzt fehlt hier nur noch der hintere Gehäusedeckel:


Der Gehäusedeckel ist jetzt auch angebaut. Und die Schelle unten links zur Befestigung des Kabelstrangs. Die drei Metallteile der Schelle sind neu verzinkt, das Gummiteil gereinigt:


Jetzt könnte man eigentlich sagen, dass die Lima fertig ist. Aber ein Teil, das mir bei solchen Sachen immer sehr wichtig ist, fehlt noch: Der Aufkleber. Er ließ sich mit einem ganz scharfen und sehr flachen Messer vor dem Strahlen ungewöhnlich gut vom Gehäuse ablösen. Danach habe ich alle Kleberreste mit Nitro-Verdünnung und Wattestäbchen von der Rückseite entfernt. Für originalgetreue Restaurierungen sind gut erhaltene Aufkleber immer wahre Schätze, weil es im Normalfall keinen Ersatz für sie gibt. Nicht für Geld und nicht für gute Worte:


Weil es mit aufgetragenem Klebstoff nicht immer einfach ist, den Aufkleber gerade positioniert und gut zentriert aufzukleben, habe ich ihn zunächst lose aufgelegt und ein Stück Klebeband mit Markierung als Anlagekante direkt daneben geklebt:


Der Aufkleber bekam an beiden Enden zwei zurechtgeschnittene Stücke Klebeband. Einmal, um ihn daran mit aufgetragenem Kleber besser anfassen zu können. Und zweitens, um ihn zum Aufbringen des Sprühklebers etwas zu befestigen, damit er nicht wegfliegt:


Fertig zum Aufsprühen des Klebers. Er ist von Conrad und für derartige Fälle bestens geeignet:


Nach dem Einsprühen. Wenn man den Kleber jetzt ca. 3 bis 4 Minuten ablüften lässt, fühlt er sich an wie ein selbstklebender Aufkleber nach dem Abziehen der Schutzfolie:


An den beiden Klebebandenden lässt sich der Aufkleber dann gut aufnehmen und vor dem Auflegen positionieren:


Fertig! Sieht aus wie eine Lima! Jetzt muss sie nur noch funktionieren. Aber da sehe ich gute Aussichten:




Nachdem die Lichtmaschine jetzt endlich fertig ist, kann es mit voller Konzentration mit dem Lenkgetriebe weitergehen. Denn wie ganz am Anfang schon gesagt: Ich liebe es nicht übermäßig, mehrere Sachen gleichzeitig auseinander genommen herumliegen und in Arbeit zu haben.

Grüße Teletubby

Geändert von Teletubby (02.06.2018 um 23:38 Uhr)
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