"Deutlich abgefahren" heisst wahrscheinlich, dass auf der äußeren Seite der Bremsscheibe der Grat wesentlich dünner ist, als auf der inneren? In dem Fall trifft das zu, was Teletubby sagt. Die Gleitstücke, die den Bremssattel mit dem Sattelträger verbinden werden verschmutzt, verrostet oder angebacken sein. Kommt besonders oft bei defekten Schutzmanschetten über den Gleitteilen vor. Abhilfe schafft das Ausbauen der gesamten Bremsanlage, das Gangbarmachen der Gleitstücke (entrosten, putzen, mit feiner Körnung schleifen) und das Wiedereinsetzen der Gleitstücke mit einem speziellen Schmiermittel - z.B. ATE Plastilube. Bei den Gleitstücken keine keramischen Fette verwenden, wie sie gerne für Bremsbeläge usw. verwendet werden! Das Zeug wird mit der Zeit bröckelig und kann auch zu einem Blockieren der Gleitstücke führen! Hatte ich leider auch schon mal. Kupferpaste tut es notfalls auch, wobei ich bei den Gleitstücken lieber auf spezifische Fette setze. Wird das Fett extrem heiss und tropft durch die (defekte) Schutzmanschette raus, läuft es direkt auf die Bremsscheibe. Das ist bei den Bremsbelägen oder Auflageflächen an Radnabe usw. nicht der Fall, weshalb man da ohne Bedenken Kupferpaste verwenden kann.
Man muss allerdings auch sagen, dass geringfügige Unterschiede in den Graten an der Bremsscheibe bei den Schwimmsatteln (wie beim 3er Golf geläufig) normal sind. Wie bereits von Teletubby sehr richtig und gut beschrieben, bedingt das Funktionsprizip der Einkolben-Schwimmsättel nunmal, dass die Kraft selbst bei 100% gangbarer Bremsanlage (Gleitstücke, Bremsbeläge im Träger usw.) immer etwas mehr auf die Kolbenseite übertragen wird als auf die Faustseite. Merkt man auch beim Wechseln der Bremsbeläge. In 99% der Fälle ist ein Bremsbelag (der auf der Kolbenseite halt) etwas mehr abgenutzt und dünner als der auf der Faustseite.
Zu deinen Bremsscheiben: Bring die mal zu einer Werkstatt und lass die mit einer Bremsscheibenlehre messen. Ist im Grunde ein stinknormaler Messschieber, aber mit zwei kleinen Vorsprüngen an den Seiten, um den Grat an der Scheibe zu umgehen. Ist die Scheibe noch ein paar mm von der Verschleissgrenze entfernt, können die Grate nochmal abgedreht werden. Die Scheibe sieht nacher aus wie neu. Ist die Verschleissgrenze so gut wie erreicht, ist es das Geld nicht mehr wert. Dann lieber gleich neue Scheiben und Beläge einbauen.
Hier noch ein (schlechtes) Bild einer Bremsscheibe, bei der ich die Grate entfernt und die gesamte Bremsfläche einmal abgezogen habe. Die hellen äusseren Ringe waren die Grate, der dunklere Ring in der Mitte war eine leicht eingelaufene Stelle durch einen Fremdkörper. Das ist allerdings etwas für Spezialisten mit der entsprechenden Bremsendrehbank, und nichts für den Hobbyschrauber, der da mal mit der Flex drüberwichst - auch wenn ich das tatsächlich an meinen privaten Autos auch so handhabe...