Wenn ich mitten in der Wüste stehen würde und dort ein Auto mit einem demontierten Zylinderkopf meine einzige Überlebenschance wäre, dann würde ich vorhandene und schon einmal verwendete Schrauben natürlich auch ein zweites Mal verwenden. Danach wäre mir aber egal, was mit dem Auto passiert.
Es ist hochgradig unfachmännisch, Dichtungen und Dehnschrauben mehrfach zu verwenden. Die Schrauben sind vom Hersteller durch unzählige Berechnungen und Versuche dimensioniert worden. Sie müssen zunächst die Zugkräfte beim normalen, erstmaligen Festziehen aufnehmen. und die sind schon gewaltig. Weil die Dichtung so weit zusammengedrückt werden muss, dass sie die Unebenheiten der Oberflächen ausgleicht und dadurch Öl und Wasser unter Druck sowie die Verbrennungsgase unter sehr hohem Druck zuverlässig und dauerhaft abdichtet. Das alles über einen großen Temperaturbereich und mit unzähligen starken Temperaturwechseln, die für die Schrauben auch eine zusätzliche Belastung sind. Schließlich und endlich müssen die Zylinderkopfschrauben eine zusätzliche, enorme Zugkraft aushalten, die dadurch entsteht, dass das Frischgas in den Zylindern am Ende des Kompressionshubes explodiert.
Noch eins kommt dazu: Vor 20 Jahren war es nötig, dass Zylinderkopfschrauben bei jedem neuen Fahrzeug nach dem erstmaligen Warmlaufen des Motors und ein zweites Mal nach ungefähr 1.000 km Fahrstrecke nachgezogen werden mussten. Das gehörte zum Umfang jeder ersten Inspektion, die schon nach 1.000 km nötig war. Erst durch Verwendung der Dehnschrauben und einer genau darauf abgestimmten Dichtung wurde das überflüssig. WEnn die Schrauben nun ein zweites Mal verwendet werden, ist von dieser Abstimmung aufeinander nicht mehr viel übrig. Daraus resultiert das Risiko, dass es nicht dicht wird. Die vielleicht nicht sofort, sondern nach einiger Fahrstrecke bzw. bie besonderer Belastung des Motors bei Langstreckenfahrten mit hohem Tempo oder bei sommerlicher Hitze.
Wie schon am Anfang gesagt: Hochgradig unfachmännisch, eine Zylinderkopfdichtung oder Zylinderkopfschrauben ein zweites Mal einzubauen. Egal, wie lange der erste Einbau her ist.