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Alt 05.11.2017, 00:44 #11
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Hallo!

Wer meinen Showroom in der letzten Zeit verfolgt hat, der weiß, dass ich vorletzte Woche die vorderen Querlenker ausgebaut habe, weil die Gummilager (zwei pro Querlenker, je ein vorderes und ein hinteres) erneuert werden sollen. Die Lager selbst hatte ich auch schon seit ein paar Wochen hier liegen (originale VW-Teile). Für einen ganz anderen Verwendungszweck hatte ich letzte Woche eine Gewindestange M12X1,5 und ein paar passende Sechskantmuttern bei einem Internethändler bestellt. Kurz nach der Bestellung habe ich noch schnell einer Eingebung folgend die Festigkeitsklasse der Gewindestange von schlechten 3.6 für EUR 3,10 Aufpreis in 8.8 geändert. Denn die Gewindestange hatte mich auf die Idee gebracht, mich damit mal am Tausch der Querlenkerbuchsen zu versuchen. Mit Gewindestangen kann man nämlich tolle Sachen machen.

Genau 14 Euro haben die Gewindestange, die fünf Muttern und der Versand gekostet. Die 1 Meter lange Gewindestange habe ich mit dem Winkelschleifer in zwei gleich lange Stücke geschnitten:




Für die geplanten Versuche mit den Lagerbuchsen wären noch kürzere Stücke der Gewindestange handlicher gewesen. Aber für einen anderen Verwendungszweck brauche ich sie noch in größerer Länge.

Die neuen Lagerbuchsen für die Querlenker habe ich in Außendurchmesser und Länge vermessen und habe dann noch drei Stücke Alurohr bestellt: Ein Stück 75 mm lang mit Außendurchmesser 45 mm und Wandstärke 2,5 mm, woraus sich ein Innendruchmesser von genau 40 mm ergibt. Dann ein Stück 50 mm lang mit Außendurchmesser 65 mm und Wandstärke 2,0 mm = Innendurchmesser 61 mm. Und letztlich ein ebenfalls 50 mm langes Stück mit Außendurchmesser 55 mm und Wandstärke 2,5 = Innendurchmesser 50 mm. Mit den Abmessungen des letztgenannten Rohrstückes war war ich nicht wirklich zufrieden, weil ich es lieber in einem ca. drei bis vier Millimeter größeren Außendurchmesser gehabt hätte. Aber das gab es nicht, zumindest nicht beim gleichen Händler. Gekostet haben die drei Rohrstücke EUR 10,54 einschließlich Versand:


Mit dieser schweren Bewaffnung und einer Hand voll Werkzeug bin ich heute meinen Querlenkern auf die Pelle gerückt. Zuerst den vorderen Lagerbuchsen, weil sie nach meiner Einschätzung die kleinere Herausforderung darstellen würden:




Erste grobe Anprobe mit dem 75 mm langen Rohrstück mit 40 mm Innendurchmesser: Es sieht sehr gut aus:


Um bei der geplanten Gewalttat das Abrutschen zu erschweren und um die schwarze Beschichtung der Querlenker möglichst wenig zu beschädigen, bekam das Rohrstück an einem Ende eine Umwicklung mit Klebeband:


Eins hatte ich bei der Planung vergessen: Eine sehr große und sehr stabile Unterlegscheibe. Da fiel mein Blick auf eine alte Valeo Lichtmaschine, die ich mal geschenkt bekommen hatte. Davon habe ich die Riemenscheibe abmontiert:


Das alles habe ich mit einem Teil der Gewindestange, zwei der neuen Muttern und zwei normalen 12 mm Unterlegscheiben wie auf dem nächsten Foto erkennbar zusammengesetzt:


Vor dem Aufschrauben der zweiten Mutter hat es zur Arbeitserleichterung etwas Öl auf das Gewinde gegeben:


Gewaltbereit:


Ich habe die Mutter gedreht und mit Spannung erwartet, was passieren würde:


Die Gummilagerbuchse hat nicht mal ernsthaft versucht, Widerstand zu leisten:






Das Ende vom Lied: Ein voller Erfolg. Gedauert hat das keine drei Minuten:




Beim zweiten Querlenker verlief die Prozedur des Ausbaus der vorderen Lagerbuchse ganz genau so.

Jetzt ging es an die hinteren Lagerbuchsen. Hier waren meine Erfolgserwartungen viel schlechter, weil mir die Abmessungen des kleineren Rohrstückes, wie schon gesagt, nicht wirklich gefielen. Und weil ich zweitens mit einem viel höheren Kraftbedarf gerechnet habe. Auch hier soll Klebeband Abrutschen erschwerden und Beschädigungen der Querlenkerbeschichtung möglichst vermeiden:


So sah meine schon in Stellung gebrachte Bewaffnung diesmal aus. Das große, siberne Teil ganz rechts gehört zu einem Zweiarmabzieher:


Am unteren Rand des Alurohres kann man schwach erkennen, dass es nur ganz knapp auf dem oberen schmalen Rand der Lagerbuchse aufsteht. Ein etwas größerer Durchmesser des Rohrstückes wäre mit lieber gewesen. Und genau das erwies sich beim Drehen als ziemliche Schwachstelle. Deshalb habe ich das Rohr nochmal abegenommen und im Schraubstock etwas zusammengedrückt. Dadurch würde es zwar nur noch in zwei kleineren Bereichen auf der Lagerbuchse aufliegen, aber hoffentlich nicht mehr abrutschen:


So habe ich die Lagerbuchse zwar herausbekommen, aber eine Lösung für den Zusammenbau war das nicht, weil die alte Lagerbuchse wegen des hohen Kraftaufwandes und der kleinen Kontaktfläche zum Rohrstück am oberen Rand teilweise eingedrückt worden ist (auf dem Foto nicht sichtbar):


Dasselbe beim zweiten Querlenker:


Geschafft! Zwei Querlenker, vier alte, ausgebaute Lagerbuchsen; die Querlenker haben dabei nur minimale Kratzer im Arbeitsbereich bekommen. Das war insgesamt mehr als ich mit meiner einfachen Ausstattung erwartet hatte. Trotzdem würde ich das genau so nicht noch einmal beginnen. Insgesamt ist das Konzept gut, aber das Rohrstück, das die großen Lagerbuchsen herausdrückt, müsste etwas dicker sein. Optimal wäre ein Außendurchmesser von 59 mm, eine Wandstärke von 2,5 mm und eine Länge wie gehabt von 50 mm.


Für den Zusammenbau wollte ich es nicht riskieren, eine der neuen hinteren Lagerbuchsen zu beschädigen. Dazu musste etwas her, was im Außendurchmesser etwas größer ist als das Alurohr mit 55 mm Außendurchmesser und genau auf ihnen aufliegt. Dazu ist mir die Idee gekommen, es mit dem Außenring einer der alten Lagerbuchsen zu versuchen. Dazu musste das Innenteil natürlich raus; also bin ich ihm mit einer Bügelsäge auf die Pelle gerückt. Weil das Sägen im Gummimaterial sehr schwer ging, kam Öl zum Einsatz. Damit ging es richtig gut:




Dabei habe ich mir dummerweise in den Zeigefinger der linken Hand gesägt. Davon habe ich extra kein Foto gemacht, weil ich Euch den Anblick von Blut der Gruppe 0 mit Rhesusfaktor negativ gerne ersparen möchte. Meine Überlebensaussichten werden aber als gut eingeschätzt.

Um mit den Teilen der zersägten Lagerbuchse später angenehmer arbeiten zu können, habe ich beide gereinigt. Auch das Innenteil ist kostbar und kein Fall für den Müll. Denn mit ihm kann man den Aggregateträger im Falle eines ausgebauten Querlenkers an der Schraubstelle der hinteren Lagerbuchse schön am Aufbau festschrauben, wenn andere Schraubstellen des Aggregateträgers gelöst werden sollen. Denn wenn man den Aggregateträger an genannter Stelle ohne eine passende Zwischenlage als Querlenkerersatz festschraubt, wird er krumm gedrückt.


An beiden Querlenkern habe ich die Bereiche, in denen Arbeit wartet, mit Benzin sorgfältig gereinigt: Die Aufnahmen für die vier Lagerbuchsen und außen, wo die Achsgelenke später angebaut werden:


Die neuen vorderen Lagerbuchsen:


Im Reparaturleitfaden steht, dass diese Lagerbuchsen zum Einbau z.B. mit Schmierseife eingestrichen werden sollen. Ich nehme für den Einbau von schwergehenden Gummiteilen immer VW-Wachs AKR 321 M16 10, das dafür bestens geeigent ist. Es greift Gummi nicht an. Auch z.B. für Schläuche verwendbar, die sich sonst nur schwer auf ihre Stutzen schieben lassen. Leider wird dieses Wachs heutzutage in einer nicht wiederverschließbaren Flasche geliefert, weshalb ich es immer in eine Schraubflasche umfülle:


So sieht die Werkzeugkombination zum Einziehen einer vorderen Lagerbuchse aus:


Vor Arbeitsbeginn Einstreichen mit dem schon genannten Mittel, auch im Innenbereich der Aufnahme am Querlenker:


Schon wieder bereit zur Anwendung von Gewalt:


Und was sagt die Lagerbuchse dazu? Gar nichts; sie tut genau das, was sie soll, sie rutscht in den Querlenker:




Das Ganze ging ohne jede Komplikation. Was man aber machen sollte, wie ich bemerkt habe: Die Lagerbuchse erst etwas zu weit einziehen, damit sich ihr Bund auf der Seite des Alurohrstückes schön um das Ende der Öffnung des Querlenkers legt. Und sie dann auf gleiche Weise in umgekehrter Richtung zurückdrücken, bis sie genau mittig sitzt:


Fertig!




Beim zweiten Querlenker ging das ganz genau so gut. Nächstes Foto: Zwei fertig eingebaute vordere Lagerbuchsen und ein Stück Alurohr, das jetzt arbeitslos ist:


Für den Einbau der hinteren Lagerbuchsen habe ich mit größeren Schwierigkeiten gerechnet. Hier sind die Lagerbuchsen:


Die Einbaulage der hinteren Lagerbuchsen ist im Gegensatz zu den vorderen nicht gleichgültig; es sind dabei zwei Punkte zu beachten, die im Reparaturleitfaden stehen.

Begonnen habe ich den Einbau dadurch, dass ich die Lagerbuchse lagerichtig angesetzt und mit einer Holzzwischenlage mit sanften Hammerschlägen bearbeitet habe, damit sie sich nicht mehr verdrehen kann. Denn beim späteren Einziehen kann man die auf ihnen vorhandenen Pfeile nicht sehen:


Weiter ging´s mit dieser Werkzeugkombination. Zur Vereinfachung erst ohne das größere Alurohrstück auf der gegenüberliegenden Seite, sondern nur mit dem Querteil des Zweiarmabziehers. Die auf dem nächsten Foto sichtbare größere Riemenscheibe stammt von einer Kühlmittelpumpe. Sie ersetzt eine große Zwischenscheibe, weil der Außendurchmesser der kleinen Lima-Riemenscheibe für das angrenzende Außenteil der alten Lagerbuchse zu klein ist:


Hier das Ganze zusammengesetzt von der Seite gesehen:


Das war aber nicht einfach, weil die vielen Teile auf der Gewindestange ständig verrutschten und korrigiert werden mussten. Denn wenn man mit verrutschten Teilen weiter einzieht, droht die Lagerbuchse schief in die Öffnung zu rutschen. Als besonders kritisch hat sich die Stelle herausgestellt, an der die neue Lagerbuchse mit dem Außenteil einer alten zusammentrifft. Hier würde eine stabile Metallscheibe mit Außendurchmesser 59 mm, Innendurchmesser ca. 40 mm und einer Stärke von ca. 3 bis 4 mm eine große Verbesserung bewirken. Wenn ich noch einmal vor dieser Aufgabe stehen würde, würde ich eine derartige Metallscheibe vorher beschaffen.

Das Einziehen ohne das größere Rohrstück, sondern nur mit dem Querteil des Abziehers funktioniert nur so lange, bis die innere Metallhülse der neuen Lagerbuchse an diesem anstößt:


Dann muss das größere Rohrstück dazu:


Dann eine der Muttern drehen und die Lage der Teile zwischendurch immer wieder korrigieren, und die Lagerbuchse rutscht...


...und rutscht...


...bis zum Anschlag. Mit dem zweiten Querlenker ging das genau so. Hier beide Querlenker von der Seite aus gesehen, von der die hinteren Buchsen eingezogen worden sind:


Und hier von der anderen:



Fazit meines ersten Wechsels von Querlenker-Lagerbuchsen:

Prinzipiell funktioniert das gut mit einer Gewindestange M12X1,5 und den weiteren beschriebenen Teilen. Alle meine vier Lagerbuchsen sitzen ohne jede Einschränkung einwandfrei in den Querlenkern. Weil besonders die zum Ausbau der hinteren Lagerbuchsen nötigen Kräfte ziemlich hoch waren, würde ich für die Gewindestange und die Muttern keine schlechtere Festigkeitsklasse als 8.8 nehmen.

Die beschriebene Weise für Aus- und Einbau der vorderen Lagerbuchsen ist fast perfekt und kaum noch zu verbessern. Aber für die hinteren gibt es Verbesserungsbedarf. Eine große Einbauhilfe wäre sicherlich eine schon erwähnte Stahlscheibe mit Außendurchmesser von ca. 59 mm als das Teil, das unmittelbar auf die Lagerbuchsen drückt. Wegen derer herausstehender Innenhülsen müsste diese Scheibe einen Innendurchmesser von geschätzten 40 mm haben. Dann als Druckstück die kleinere Lichtmaschinen-Riemenscheibe, und schon wäre auch dieser Teil einen großen Schritt weiter.

Grüße Teletubby

Geändert von Teletubby (05.11.2017 um 11:51 Uhr)
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