Fahrzeugpflege Wie kann ich den Zustand meines Golf 3 erhalten

 
 
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Alt 03.09.2023, 04:08 #7
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Hi,
Du musst Dir erst mal über eines klar werden:

Wachs ist immer mit irgendeinem Lösungsmittel (Testbenzin oder neuerdings auch Emulgator und Wasser) verdünnt, damit man es spritzen oder streichen kann. Nach dem Trocknen ist es dann mehr oder weniger fest und hat nur eine minimale Klebrigkeit. Wie fest hängt von einem eventuellen Anteil an Ölen ab. Wachse können durch Erhitzen flüssig gemacht werden. Sie tropfen nicht Tage oder Wochen nach und sind nach dem Abkühlen fest. Wie fest ist eben auch eine Frage der Mischung. Dick aufgetragen sind sie als verschleißender, kurzzeitiger Unterbodenschutz geeignet.

Fett ist etwas anderes. Was Du da bekommst ist sehr vielfältig. Schmierfett ist mit Talkum Puder gemischtes Mineral Öl. Tierische Fette wie Schweineschmalz kommen nicht in Frage, der Geruch ist langfristig sehr störend. Mike Sanders verwendet als Basis Wollfett, das hält sich sehr lange und hat einen wenig störenden Geruch. Dafür muss es aber zum Verarbeiten erhitzt werden und sollte mit teurem Gerät verarbeitet werden. Fette bleiben cremig und bieten keinen mechanischen Schutz.

Dazwischen liegen heute sehr viele Produkte, die aus Wachs, Fett und Öl Mischungen mit allerlei anderen Zutaten und Lösungsmitteln bestehen.

Was den Schutz angeht ist erst mal das Abschirmen vor Wasser wichtige, am Unterboden auch mechanisch gegen Steinschlag und in Regenwasser enthaltenen Sand. Der schleift bei Regenfahrt alles langsam ab. Auch Bitumen Unterbodenschutz oder PU.
Wachs hält da eine Saison, Fett eher weniger.

Dann geht es um die Kriechfahigkeit um Nähte und Blechzwischenräumezu restlos füllen. Je flüssiger um so besser. Erhitzte Fette sollten nur in vorgewärmte Karosserien gespritzt werden, gründliche profi-Anwender benutzen eine Lackierkabine für das Vorheizen. Den ganzen Tag in der Sonne, im Hochsommer geht aber auch.
Lösungsmittelhaltige Produkt sind da weniger anspruchsvoll.

Zum Schluss wird dann gehofft das bereits angerostete Flächen geschützt werden. Da wird es interessant und kompliziert, leider.
Das Dumme ist dabei, das Rost aus mehreren chemischen Verbindungen besteht. Simpel: Eisen II und III Oxid mit gebundenem Kristallwasser (siehe Rost, Eisenoxide).
Zwischen diesen beiden Zuständen wechselt es nun munter hin und her und dringt immer tiefer ein. Dabei wird aus festem Stahl poröses Eisen.
Darum hilft es auch nicht, einfach nur Wasser oder Sauerstoff fern zu halten. Es verlangsamt den Prozess zwar, aber es arbeitet weiter. Das erklärt auch warum Rost unter frischer Farbe "wieder hoch kommt".

Nun gibt es eine Menge Möglichkeiten dies mit Chemie zu verlangsamen oder gar zu stoppen.

Rostumwandler sorgen dafür das der Rost "passiv" wird, also nur noch in einer Form vorliegt oder indem er in andere Eisenverbindungen überführt wird, wie z.B. Eisenphosphat (siehe Phosphatierung).
Es gibt noch eine Menge geheime (Uih!) bzw. nicht gerne diskutierte Methoden Rost zum Stillstand oder zumindes stark verlangsamten Vortschreiten zu bringen. Was da drin ist erzählt Dir kein Hersteller. Die wirklich giftigen Inhaltstoffe sind aber lange vom Markt.
FERTAN z.B. macht aus Rost eine Eisen-Tannin Verbindung. Tannin gibt Rotwein seinen typischen Geschmack.

Ganz große Vorsicht ist bei "Rostlösern" geboten. Die lösen Rost oft dadurch, das er extrem beschleunigt wird und dabei aufplatzt. Das ist dann die Einwirkzeit, bevor man die Schraube los bekommt. Sprüht man so etwas in einen Falz, ist die Zerstörung garantiert. Ich habe vor Jahren einen Schlaumeier gehabt, die CARAMBA aus dem Kanister in Hohlräume gesprüht haben. So schnell hatte vorher noch niemand ein Auto zerfallen sehen...

Gehe mal in einen Autozubehörladen und schaue was da alles rum steht. Ich denke Du suchst ein "transparentes Schutzwachs". Sprühe das am besten in mehreren Schichten auch, damit Du eine dickere Schicht bekommst. Technische Merkblätter lesen hilft dabei. (ja, ja, immer dieses Lesen...)

Geändert von Golferrari (03.09.2023 um 04:29 Uhr)
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