Werkstatt Golf kaputt? Fragen und Antworten zum Thema Reparatur

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Alt 17.06.2018, 16:01 #1
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Standard Was Lenkgetriebe nicht mögen

Hallo!

Durch meine zeitweise recht intensive Beschäftigung mit zwei Golf 3 Lenkgetrieben in den letzten Wochen weiß ich jetzt einige Dinge zu diesem Thema, die ich vorher nicht wusste. In der Annahme, dass das auch für andere nützlich sein kann, schreibe ich hier einfach mal was darüber. Es gilt für Lenkgetriebe vom Hersteller TRW. Vermutlich gilt das meiste auch für welche von ZF.


1. Faltenbälge

Poröse, beschädigte und eingerissene Faltenbälge sollten baldmöglichst gegen neue ausgetauscht werden. Wenn das nicht passiert, besteht die große Gefahr, dass Schmutz und Feuchtigkeit an die inneren Spurstangengelenke und an die Zahnstange des Lenkgetriebes gelangen. Die Zahnstange fängt dann an zu rosten. Besonders auf der Beifahrerseite ist das kritisch, weil die Zahnstange hier beim Einschlagen ganz nach rechts bis zu ihrem Ende in der Lagerbuchse mit dem Wellendichtring verschwindet. Wenn hier Rost auf der Zahnstange ist, führt das zum vorzeitigen Ausfall dieses Dichtrings. Dann läuft hier Servoöl aus, was nur durch Ausbau des Lenkgetriebes bzw. sogar durch seinen Ersatz repariert werden kann. VW schreibt im Reparaturleitfaden für den Golf 3 vor, dass Zahnstangen, die korrodierte Stellen haben, in fetten Buchstaben gedruckt unbedingt ersetzt werden müssen. Sowohl für Lenkgetriebe von ZF als auch von TRW gab es die Zahnstangen mal als Ersatzteil, die jedoch schon längst aus dem Teileprogramm entfallen sind.

Auf der Fahrerseite ist das nicht ganz so kritisch, weil die letzten 195 mm der Zahnstange auf dieser Seite die Verzahnung tragen und mit der Hydraulik nichts zu tun haben. Wenn sich hier ein bisschen Rost findet, ist das nicht ganz so schlimm.

Nach Entdeckung eines Risses in einem Faltenbalg würde ich mit dem Auto bis zur Reparatur möglichst nicht mehr fahren und bei Nässe schon gar nicht.


2. Spurstangentausch

Beide Spurstangen haben an ihren Enden Außengewinde, mit denen sie in die Innengewinde der Zahnstange geschraubt und mit 70 Nm festgezogen sind. Die Zahnstange ist rund, und man könnte sie theoretisch endlos drehen. Das geht nur deshalb nicht, weil das Ritzel der Lenkwelle, das in den verzahnten Bereich der Stange eingreift, das verhindert. Deshalb ist es sehr wichtig, beim Lösen und Festziehen von Spurstangen an der Zahnstange selbst gegenzuhalten. Dazu haben die Zahnstangen der TRW-Lenkgetriebe auf der Fahrerseite (und nur dort!) eine Anflachung, auf die ein Maulschlüssel der Größe 19 passt, siehe Foto:


Wenn man das Gegenhalten an der Zahnstange selbst unterlässt und sich auf die Blockierung durch die Verzahnung und das Ritzel verlässt, sollte einem klar sein, dass hier beim Anzugsdrehoment von 70 Nm nach den Regeln der Physik wegen des Durchmessers der Zahnstange in diesem Bereich von 22 mm Kräfte in der Größenordnung von tausenden Newton auftreten. Dadurch besteht die große Gefahr der Beschädigung der Zahnstange oder des Ritzels oder von beidem.

Weil es beim Ersatz gerade der beifahrerseitigen Spurstange kaum möglich ist, gleichzeitig auf der Fahrerseite gegenzuhalten, bedeutet das: Lenkgetriebe zum Spurstangentausch ganz ausbauen. VW schreibt das zum Auswechseln von Spurstangen eh vor. Laut Reparaturleitfaden gibt es auch Lenkgetriebe, die die genannte Anflachung an der Zahnstange nicht haben. In diesem Fall muss das Lenkgetriebe zum Lösen und Festziehen von Spurstangen in einen Schraubstock mit Schutzbacken eingespannt werden, und zwar im verzahnten Bereich der Zahnstange selbst. Dazu muss es eh ausgebaut werden.

Bei den Faltenbälgen dagegen spricht aus dieser Sicht nichts gegen den Tausch bei eingebautem Lenkgetriebe.


3. Anschläge der Lenkung

Die Anschläge der Lenkung beim Ganz-Einlenken nach links oder rechts werden durch die inneren Spurstangengelenke bewirkt, die an extra dafür vorgesehenen Stellen im Lenkgetriebegehäuse anstoßen. Das bedeutet: Bei demontierten Spurstangen fehlen diese Anschläge. Wenn man jetzt ganz nach links einschlägt, geht das weiter als mit Spurstange und wird schließlich dadurch limitiert, dass ein Zahn des Lenkritzels am Ende des verzahnten Bereiches auf die Zahnstange aufstößt. Das ist noch relativ deutlich fühlbar und sollte ein Alarmzeichen sein. Schlimmer ist es beim weiteren Einlenken ganz nach rechts, weil dabei eine abgesetzte Stelle der Zahnstange, an der sich ihr Durchmesser ändert, auf das Kunststoff-Druckstück stößt, das die Zahnstange gegen das Ritzel drückt. Wenn man hier nicht aufpasst, ist eine Beschädigung des Druckstückes zu erwarten.


4. Bei Problemen mit der Pumpe der Servolenkung

Wenn eine Pumpe der Servolenkung ausfällt und nicht mehr funktioniert, was zum Glück nur ganz selten vorkommt, besteht die große Gefahr, dass Metallspäne von der Pumpe in das Lenkgetriebe gelangen. Ich weiß jetzt aus eigener Erfahrung, wie empfindlich es dort zugeht. Das bedeutet:

- Bei Problemen mit der Servolenkung schnell nach der Ursache suchen und reparieren.

- Trockenlauf von Servopumpen unbedingt vermeiden. Das gilt auch nach dem Einbau von neuen Pumpen, die erst dann normal in Betrieb genommen werden dürfen, wenn sie sicher mit Hydrauliköl gefüllt sind.

- Wenn eine Servopumpe ausgefallen war und ersetzt wurde, sind mit einiger Wahrscheinlichkeit Metallspäne im Ölkreislauf der Servolenkung. Im Lenkgetriebe sind sie weniger willkommen und können dort für beträchtlichen Schaden bis hin zur Undichtigkeit sorgen. Deshalb sollte das ganze System nach dem Tausch der Pumpe gespült werden: Ca. dreimal hintereinander mit neuem Öl befüllen, den Motor ein paar Minuten laufen lassen und die Lenkung dabei mehrmals in beide Richtungen voll einschlagen und das Öl wieder ablassen und entsorgen. Das mag zwar alles zwar lästig sein, ist aber immer noch angenehm gegenüber dem Austausch eines Lenkgetriebes.

So, das ist alles, was mir im Moment dazu einfällt.

Freundliche Grüße
Teletubby



Geändert von Teletubby (17.06.2018 um 21:57 Uhr)
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