Kratzer auffüllen funtioniert nur bei den allerkleinsten Kratzerchen. Wenn man richtige Riefen drin hat, also mit bloßen Fingern fühlbar, hilft nur abschleifen. Auch bei gewölbten Scheiben (z.B. die Cockpithaube eines Segelflugzeuges) hilft nur großflächig schleifen, da man sonst ungewollte optische Brechungen hat.
Das Problem ist aber, um einen Kratzer zu beseitigen, muss man drum herum so viel Material abtragen wie der Kratzer tief ist. D.h. aber auch, die Scheibe wird zuerst mal richtig blind, wenn man anfängt darauf rumzuschleifen. Man muss also immer das ganze Politurprogramm durchmachen ...
Je nach Kratzertiefe fängt man mit 180er, 250er oder 320er Papier an nass zu schleifen. Und zwar immer nur in EINE Richtung (niemals kreisförmig), so lange bis keine Kratzer mehr zu erkennen sind. Und nicht nur da, wo die Kratzer sind, sondern auf der gesamten Fläche! Jetzt ist die Scheibe erstmal komplett blind. Nun nimmt man ein etwas feineres Papier und schleift in Querrichtug zu vorher so lange bis keine Schleifspuren in der alte Richtung mehr zu erkennen sind. Mit jedem Papier ändert man die Richtung und schleift so lange, bis nur noch Spuren in der neuen Richtung zu erkennen sind. Wenn man auf diese Weise beim 1000er Papier angekommen ist, macht man mit 5000er Politurpaste weiter und arbeitet sich bis 12000er Körnung durch. Aber bitte eine rotierende Polierscheibe verwenden, mit der man auf der Kante arbeitet, keine "normale" Schwabbelscheibe.
Dieser Aufwand rechtfertigt sich natürlich nur für hochpreisige Scheiben oder Teile, die sich sonst nicht wiederbeschaffen lassen, z.B. exotische Motorradverkleidungen oder Flugzeugscheiben. Bei einer einfachen Terrassenüberdachung würde ich den Aufwand nicht betreiben und einfach die ganze Scheibe austauschen - oder mit den Kratzern leben... .
Das magische Mittel, das man mit einem alten Lappen aufpoliert und die Scheibe dann wie neu ist, gibt es nur im Werbevideo!