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Naumstar 21.05.2017 10:31

Oberflächenrauheit Welle für Wellendichtring
 
Hallo zusammen

Da ich immer mehr mitbekomme das Werkstätten und Schrauber häufig den Fehler machen die Lauffläche von Wedis zu polieren, habe ich zur Hilfestellung eine Testreihe gestartet, um eine kleine Hilfestellung zu geben:

Zuerst die Prüfbedingungen bzw das Ziel:

Quelle SKF:

Oberflächenrauheit

Die Oberflächenrauheit der Gegenlaufflächen von Radial-Wellendichtringen wird nach ISO 4288 (DIN 4768) bestimmt und sollte die in RMA OS-1-1 (Tabelle) festgelegten Grenzwerte einhalten.
Der untere Wert von Ra sollte nicht unterschritten werden, da dies die Schmiermittelzufuhr zur Dichtlippe beeinträchtigt. Die daraus resultierende Temperaturerhöhung, insbesondere bei hohen Umfangsgeschwindigkeiten, kann zu Verhärtungen und zur Rissbildung an der Dichtlippe und damit zum vorzeitigen Ausfall der Dichtung führen. Zu große Rauheiten verursachen erhöhten Verschleiß an der Dichtlippe und verkürzen ebenfalls die Lebensdauer der Radial-Wellendichtringe. Ein Überschreiten des Werts Rpm kann zu Undichtheit und starkem Verschleiß der Dichtlippe führen.
Oberflächenrauheit

SKF und Corteco geben eine Optimale Oberflächen Rauheit von 0,2-0,8 Nach DIN an.

Da es für Schrauber Schwierig ist eine solche Rauheit im Reperaturfall hinzubekommen,
habe ich eine Testreihe gestartet, mit welchem Schleifpapier das Zielfenster einzuhalten ist.
Geprüft würde Folgendermaßen:

Ich habe mir Zylinder angefertigt aus 42CRMO4, und diese zuerst auf Hochglanz poliert.
Danach wurde mit entsprechendem Schleifpapier einmal kurz Angeschliffen um die Ziel Rauheit zu erschaffen.

http://www.golf3.de/images/imported/2017/05/150.jpg

Schleifkorn von links nach rechts:
K80
K120
K220
K320
K500

Die Oberfläche wurde mit einem geeichten Tester, an drei verschiedenen Flächen geprüft. Das Ergebnis ist, das sich K220 als wirklich Perfekt da gestellt hat mit einer Rauheit von 0,41 Ra bis 0,5 RA.
Selbst das 320 Papier lag bei allen 3 Tests deutlich unter den geforderten 0,3RA und ist damit schon zu glatt.

http://www.golf3.de/images/imported/2017/05/151.jpg


Abschließend zu sagen:
Wer vor der Montage eines Radialwellendichtrings seiner Welle noch was gutes tun will, sollte das Teil noch einmal Sachte mit K220 Schleifpapier abziehen, um eine optimale Lebensdauer des Wedis zu erreichen.

Gruß Jens

Mars 21.05.2017 11:16

das ist mal eine gute aussage und ein klasse test
hast dir deinen sonntagskaffe redlich verdient

danke für solche helfer
Grüssle

@mod
ps: das ist es fast schade, dass der in den vielen anfragen untergehen wird
den sollte man evt gezielt wo unterbringen

American-Psycho 21.05.2017 15:19

Vielleicht solltest du den Beitrag lieber im Gonzy posten Jens.

http://www.golf3.de/lexikon/

Naumstar 21.05.2017 21:25

Hallo ihr zwei.
Ich weiß ja nicht ob das für die Mehrheit der User überhaupt von Interesse ist. Ich habe das Experiment ja in eigener Sache durchgeführt, und wollte euch am Ergebnis Teilhaben lassen.
Falls wirklich Interesse besteht, hätte ich natürlich nichts dagegen wenn es abgepinnt wird.
Wenn jemand noch fragen hat, dann ruhig los schießen, habe oben nur die Kompaktfassung gepostet, um alles kurz zu fassen.

aam 90 22.05.2017 06:27

Ich hätte dazu ein paar Fragen.

1. Ist der Wellendurchmesser egal? Also ob Kurbelwelle, Zwischenwelle oder Nockenwelle?

2. Der Wert Rpm, steht dieser für die Umdrehung die Minute oder ist er auch für die Rauheit?


Ich bin leider nur Gelernter Automatisierer und kein Metallbearbeiter.

Teletubby 22.05.2017 08:51

Hallo!

Wie beurteilst Du die Tatsache, dass die Welle an genau der Stelle, an der die Dichtlippe des Wellendichtringes aufliegt, mit der Zeit sehr wahrscheinlich glatter wird, weil sie ja praktisch durch die Dichtlippe poliert wird? Dadurch geht ja vermutlich Rauheit verloren, oder?

Grüße Teletubby

Naumstar 22.05.2017 11:54

Zitat:

Zitat von Teletubby (Beitrag 1822874)
Hallo!

Wie beurteilst Du die Tatsache, dass die Welle an genau der Stelle, an der die Dichtlippe des Wellendichtringes aufliegt, mit der Zeit sehr wahrscheinlich glatter wird, weil sie ja praktisch durch die Dichtlippe poliert wird? Dadurch geht ja vermutlich Rauheit verloren, oder?

Grüße Teletubby

Das ist vollkommen Richtig, und das aufpolieren der Welle macht erst ein nachschleifen der Welle mit 220er Schleifpapier nötig, um wieder die Grundrauhigkeit der Welle herzustellen. Da wurden in Vergangenheit die Fehler gemacht, das man sich dachte:
Je glatter desto besser.
Man darf natürlich nicht das aufpolieren der Welle mit Einlaufen verwechseln. Ist die Welle sichtbar eingelaufen ist ein feinschleifen der Welle nötig.
Um den damit verbundenen Materialabtrag brauch man sich nicht so große Gedanken zu machen, die Großen Hersteller lassen ein Untermaß der Welle bis 0,2mm zu.
Eine Welle die mir besonders viel eingelaufen vorkam, deutlich Fühlbar , war lediglich im 0/100 Bereich Eingelaufen, Nachgemessen mit Feinhebeltaster.
Auch der oft zitierte Verlust der Oberflächenhärte ist zu vernachlässigen. Ich hatte mal eine Versuchsreihe gestartet und Schliffbilder von Kurbelwelle und Nockenwellen gestartet. Dabei kam Heraus das die Härteschicht noch Deutlich im MM Bereich liegt.
Ich Glaube es war ein Verlust von 1 HRC auf 0,2mm.


@aam 90

Der Durchmesser der Welle spielt bei der Rauheit keine Rolle. Er spielt lediglich eine Rolle bei der erlaubten Untermass Tolleranz der Wellendichtringe.

Es gibt verschiedene Arten die Rauheit zu messen, einmal nach DIN,ISO und ASME.
Den Wert Rpm gibt es nur nach der Amerikanischen ASME Messart.
In der Messung nach DIN wird der Wert Rpm schon vereinfacht gesagt mit einberechnet.
Nach DIN sind die wichtigsten Werte:
RAu= Die durchschnittliche Rauheit über die Gesamte Probenlänge
RZ= Der Abstand zwischen den höchsten Punkten auf der Probe, schön zu sehen auf dem oben geposteten Diagramm.

Rolw 26.05.2017 16:56

Glatt bedeutet eben nicht poliert.
Toller Test, werde ich mir mal in den Hinterkopf legen das man besser 200-240er Papier nimmt als 1000er. ;-)

Wobei ich Kurbelwelle und Nockenwelle garnicht so problematisch sehe, da gibt's für schlimme Fälle diese Repbuchse aus Blech (SKF Speedi Sleeve)
Auch da sieht man das geringe Durchmesserdifferenzen ok sind.

Die schlimmsten Undichtigkeiten sind doch immer die kleinen Getriebe, hatte da schon nen Polo Teil wo deutliche "Einlaufspuren" sichtbar waren.
Da lohnt sicher eher nen gutes Ersatzteil zu suchen als zu schleifen.


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