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Alt 11.09.2019, 09:34 #1541
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Hallo!

Zitat:
Zitat von m!ck3Y Beitrag anzeigen
Gute Arbeit! Macht Spaß zu lesen und deine Fotos zu schauen
Zitat:
Zitat von Markus_89 Beitrag anzeigen
Na da kann ich mir ja mal ne Scheibe von abschneiden, das ist tatsächlich geordneter als bei mir ��
Zitat:
Zitat von Felix_Passat Beitrag anzeigen
es ist einfach immer wieder schön zu sehen, mit welcher Aufmerksamkeit zum Detail du die Arbeiten an deinen Autos durchführst. Das schöne dabei ist, je besser die Vorbereitung umso einfacher lässt sich alles montieren.
Zitat:
Zitat von Raven761 Beitrag anzeigen
Toll und Glückwunsch, dass es so gut über die Bühne ging!
Zitat:
Zitat von 90.MusicForLife Beitrag anzeigen
Wie immer schöne Arbeit Manfred. Das Ordnen und vor allem das arbeiten an der ZE ist nicht die schönste Arbeit
Danke sehr!

Bevor es mit dem nächsten Thema weitergeht, noch ein kurzer Nachtrag zu den letzten Arbeiten am Cabrio: Nachdem die Zentralelektrik eingebaut war, fehlte nichts mehr, was verhindert hätte, endlich den Motor mal probelaufen zu lassen. Darauf war ich natürlich nach alledem, was da auseinander war, total gespannt. Ich hab es aber trotzdem nicht gemacht, und dies aus zwei Gründen: Erstens war das Auto vorn noch aufgebockt, weil die Vorderachse noch nicht fertig war. Und zweitens fehlten die Vordersitze noch, die noch nicht einbaufertig waren. Denn ich wollte, wenn der Motor schonmal läuft, auch mal ein paar Meter hin- und herfahren. Und ich wollte, gemütlich auf dem Fahrersitz sitzend, vor dem ersten Motorstart mit dem Diagnosegerät alle wichtigen Daten aus dem Motorsteuergerät auslesen und auf Plausibilität prüfen. Aus diesen Gründen musste der erste Motorstart noch warten.


In der vorletzten Woche war erstmal etwas anderes dran, was ich schon lange vor mir hergeschoben hatte:

Ein paar Arbeiten am roten Variant:

+ 1. Motorölwechsel mit Filterwechsel

+ 2. Bremsflüssigkeitswechsel

+ 3. Einbau eines anderen Lenkrades

+ Ein paar Kleinigkeiten


1. Motorölwechsel

Für Motorölwechsel und ähnliche Arbeiten stand mir in den letzen ca. 25 Jahren immer die Garage einer alten Freundin zur Verfügung, die noch aus Zeiten ihres Vaters eine Grube in der Garage hatte. Leider ist sie vor zwei Jahren zu ihrem Lover nach Euskirchen gezogen und hat letzes Jahr ihr Haus verkauft. :-(

Also musste ich die anstehenden Arbeiten in meiner Doppelgarage machen. Das war bisher nicht möglich, weil das Cabrio mit den ganzen Aufbockklötzen aufgebockt war. Es steht erst seit ein paar Wochen wieder auf seinen Rädern; die letzten Berichte dazu fehlen noch und werden demnächst nachgeliefert. Jetzt waren die Holzklötze alle wieder frei, und ich habe den Variant auf altbewährte Art so aufgebocht, dass beide Vorderräder abgenommen werden konnten. Es wurde auch Zeit für den Ölwechsel: Das Öl war schon seit zwei Jahren eingefüllt, der Filter schon seit drei Jahren:


Unter dem Motor stehen zwei Gefäße für das Altöl: Die blaue Schüssel steht unter der Ölablassschraube und das silberfarbene Gefäß unter dem Ölfilter. Diesen löse ich immer erst so weit, dass er zum Ölfilterflansch noch dicht ist. Dann wird er von unten mit einem spitzen Schraubendreher und einem Hämmerchen angepiekst. Das geht nicht übermäßig schwer, weil das Blech des Ölfilters ziemlich dünn ist. Dadurch kann ein großer Teil des Öls aus dem Ölfilter auslaufen, am besten über Nacht. Das hat den großen Vorteil, dass er beim Abschrauben nicht mehr randvoll ist und man sich so eine Ölsauerei ersparen kann:


Der Ölfilter ist bei diesem Golf 3 mit Motor AFT und Klimaanlage nur ganz schlecht zu erreichen. Auf dem nächsten Foto ist er ausgebaut, was nur trickreich nach oben geht:


Der neue Ölfilter mit dem Werkzeug, um ihn zu drehen: Ein Spezialwerkzeug vom Typ Hazet 2169, das mal ca. 15 Euro gekostet hat und mit der auf dem Foto nach unten zeigenden Seite genau auf den Ölfilter passt, und ein Maulschlüssel der Größe 27, um das Ganze zu drehen:


Hier ist der Ölfilter wieder eingebaut und festgedreht. Ich hasse diese Arbeit. Laut Aufschrift auf dem Ölfilter beträgt das Anzugsdrehmoment 20 Nm. Das kann man aber vergessen, weil man ihn nicht per Drehmomentschlüssel erreichen kann. Deshalb halte ich mich immer an die alternative Regel: Ihn mit eingeöltem Dichtring so weit anschrauben, dass der Dichtring gerade am Ölfilterflansch anliegt. Und ihn dann von dieser Position ausgehend noch eine dreiviertel Umdrehung = 270° weiterdrehen. Um das Weiterdrehen besser abschätzen zu könne, klebe ich vorher ein Stück helles Klebeband so auf die Unterseite des Ölfilters, dass es nach vorn zeigt. Und drehe dann so viel weiter, bis es zur Beifahrerseite zeigt. Fertig. Auf diese Weise hatte ich noch nie Probleme mit undichten Ölfiltern, und lösen ließen sie sich auch wieder alle:


Die gereinigte Ölablassschraube mit einem neuen Dichtring N 013 849 2:


Das neue Motoröl. Wir haben hier in der Nähe einen Schmierstoffgroßhandel mit hochwertigen Produkten, der auch kleinere Mengen an Privatleute verkauft. Die normalen Kunden sind Speditionen, die ihren Fahrzeugpark selbst warten, Handwerksbetriebe, Werkstätten, Bauunternehmen für Baufahzeuge und -maschinen. Es ist das erste Mal, dass ich teilsynthetisches Öl 10W-40 eingefüllt habe. Bisher war es immer mineralisches 15W-40:


Im Bereich der Öleinfüllung und am Deckel gab es keinerlei Kondensat in Form von "Gelbem Schleim". Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass dieses Auto überwiegend auf längeren Strecken eingesetzt wird:


Das Einfüllen des neuen Motoröls ist nach meinem Geschmack die angenehmste Arbeit des Ölwechsels. Ich fülle immer nur so viel ein, dass der Ölstand in etwa in der Mitte des geriffelten Bereiches des Messstabes liegt. Dadurch kann man die Ölmenge reduzieren, die über viele Kilometer über die Kurbelgehäuseentlüftung herausgedrückt wird und die Drosselklappe verschmutzt.


2. Bremsflüssigkeitswechsel

Bremsflüssigkeitswechsel gehörten für mich immer zu den meistverhassten Arbeiten an Autos überhaupt, obwohl sie bei mir nur alle drei Jahre gemacht werden. Die Matscherei mit der Bremsflüssigkeit, das Pumpen am Pedal, das Festklemmen des Pedals mit behelfsmäßigen Holzteilen, das ständig nötige Überwachen des Flüssigkeitsstandes im Behälter mit häufigem Nachfüllen, alles das ging mir immer einfach nur auf den Keks. Aus diesen Gründen habe ich in der letzten Zeit intensiv überlegt, wie sich das angenehmer gestalten lässt. Mit Erfolg: Mit der jetzt vorhandenen Ausstattung kann man sich schon fast drauf freuen. Diese Ausstattung stelle ich jetzt hier beim aktuellen Bremsflüssigkeitswechsel vor und erkläre, wie das bei mir vor sich geht.

Seit dem letzten Bremsflüssigkeitswechsel waren drei Jahre vergangen. Der erste empfohlene Arbeitsschritt beim Bremsflüssigkeitswechsel ist gewöhnlich, die alte Bremsflüssigkeit so weit wie möglich aus beiden Kammern der Vorratsbehälters abzusaugen. Das ist beim Golf 3, zumindest bei denen mit Mark 20 ABS, so gut wie unmöglich, weil man durch die Einfüllöffnung nur eine Kammer erreichen kann, die andere aber nicht. Wenn man jetzt nur die erreichbare Bremsflüssigkeit absaugt, hat das den Nachteil, dass sehr viel neue Bremsflüssigkeit durch das System gepumpt werden muss, weil sie sich erstmal mit der alten, die bereits Wasser aufgenommen hat, vermischt. Die Menge, die durchgepumpt werden muss, bis das ganze System nur noch mit neuer Bremsflüssigkeit befüllt ist, ist gewaltig. Das ist nicht zufriedenstellend.

Um das drastisch zu verbessern, wird die alte Bremsflüssigkeit bei mir im ersten Schritt durch Pumpen am Pedal durch die beiden vorderen Bremssättel entleert. Praktisch dazu ist es, wenn das Auto vorn beidseitig aufgebockt ist und beide Vorderräder abgebaut sind, wie es bei mir vom Ölwechsel her ja schon war. Dann wird am Entlüftungsventil an einem der vorderen Bremssättel ein Schlauch aufgesteckt, der in einem Auffanggefäß endet, und das Ventil um die berühmte halbe Umdrehung geöffnet. Durch Pumpen am Pedal kann man nun in aller Gemütsruhe die Flüssigkeit dieses Bremskreises herausdrücken. Den erfolgreichen Abschluss kann man gut durch ein anderes Tretgefühl am Pedal merken. Das Entlüftungsventil wird jetzt festgedreht und das Ganze am anderen Vorderrad für den zweiten Bremskreis wiederholt. Insgesamt dauert das bei vorn aufgebocktem Auto nicht mehr als höchstens zehn Minuten.

Jetzt sind der Ausgleichbehälter, beide Zylinder des Tandem-Hauptzylinders, die Leitungen vom Hauptzylinder zum Hydraulikblock, ein Teil des Hydraulikblocks, die Leitungen zu den vorderen Bremssätteln und die Sättel selbst bis auf geringe Restmengen leer. Nur ein anderer Teil des Hydraulikblocks, beide Leitungen nach hinten und die hinteren Bremssätte bzw. Radzylinder sind jetzt noch gefüllt.

Bei Fahrzeugen mit ABS ohne EDS ist das alles unproblematisch. Wenn zusätzlich zum ABS noch ein EDS (= elektronische Differentilasperre) vorhanden ist, sollte man vorstehend beschriebene Entleerung nur dann machen, wenn man sich die für diesen Fall speziellen Entlüftungsschritte zutraut.

Als nächstes geht es darum, den Vorratsbehälter mit neuer Bremsflüssigkeit zu füllen. Damit habe ich jahrelang herumgeeiert, um einen schnellen, einfachen und sicheren Weg zu finden, der darüber hinaus dem Anspruch genügt, nichts (= nicht einen Tropfen) daneben zu schütten. Erst vor kurzer Zeit bin ich auf die ultimative, für meinen Geschmack nicht mehr verbesserbare Art und Weise gekommen. Die sieht so aus: Eine leere 0,5 l Pril Spülmittelflasche, wie es sie bis vor wenigen Jahren in jedem Supermarkt gab:


Diese Flasche habe ich gründlichst und mit viel Wasser gereinigt, vor allem die Gewinde des Verschlusses und den Auslauf. Dann habe ich sie von innen sorgfältig getrocknet, sie für eine erneute Spülung halb mit neuer Bremsflüssigkeit gefüllt, sie zwei Minuten lang geschüttelt und sie durch den Auslauf in ein Gefäß mit zur Entsorgung vorgesehener Bremsflüssigkeit entleert. Sie war jetzt einsatzbereit. Das blaue Auslaufteil lässt sich übrigens durch Eindrücken dicht verschließen.

Es ist nach der Würgerei vieler Jahre in diesem Punkt ein wahres Vergnügen, mit dieser Flasche Bremsflüssigkeit in den Vorratsbehälter zu füllen. Die Flasche hat genau die richtige Größe (der Behälter am Fahrzeug fasst ungefähr 0,3 Liter), die richtige Form und einen Auslauf in die richtige Richtung. Durch die große Öffnung, die nach Abschrauben des Verschlusses zugänglich wird, lässt sich neue Bremsflüssigkeit (hier: ATE SL DOT4) bequem einfüllen:


Der leere, aufgeschraubte, nicht gerade sehr gut zugängliche Vorratsbehälter, der jetzt gefüllt werden möchte:


Die Pril-Flasche bei der Arbeit. Es funktioniert so phantastisch gut. Durch leichtes Zusammendrücken der Flasche kann man das Auslauftempo steigern. Und nicht ein Tropfen geht daneben, außer wenn man sich beim Absetzen der Flasche sehr ungeschickt anstellt:


Für das eigentliche Befüllen und Entlüften habe ich investiert: In ein Füll- und Entlüftungsgerät, Made ich China. Dazu gehört noch, auf dem Foto nicht mit abgebildet, ein Adapter, den man dicht auf den Bremsflüssigkeitsbehälter am Golf schraubt und auf den wiederum der Schlauch gesteckt wird. So sieht es aus:


Das erste Gerät, das ich für ca. EUR 49,00 bei einem deutschen Händler bestellt hatte, konnte ich gleich wieder zurückschicken. Erstens passte das Gewinde des Schraubadapters nicht auf das des Behälters im Fahrzeug, und zweitens ließ sich die zugehörige Auffangflasche nicht mit ihrem Schraubdeckel verschließen, weil sofort das Gewinde übersprang. Auf die Erstattung nach der Rücksendung habe ich gefühlte Ewigkeiten gewartet. Die zweite Bestellung war bei einem chinesischen Händler, nachdem ich ihm Fahrzeugtyp und Baujahr genannt hatte. Als das Gerät kam, habe ich als erstes den Adapter getestet: Er passte tadellos. Aber dafür gab es ein anderes Problem, mit dem dieses Gerät nie eine Endkotrolle hätte bestehen können: Mit der Handpumpe ließ sich kein Druck aufbauen. Nach einigem Hin und Her mit dem Händler habe ich das durch Hinzufügen einer nachgearbeiteten großen Unterlegscheibe an der Handpumpe selbst repariert und dafür 8 Euro gutgeschrieben bekommen, so dass das Gerät jetzt knapp EUR 39,00 gekostet hat. Aber es gab noch ein weiteres Problem: Im Inneren des Gerätes gab es Ölreste von der Herstellung. Weil mir die Beschaffenheit dieser Ölreste nicht bekannt war und weil Öle auf mineralischer Basis an den Gummiteilen der Bremshydraulik schwere Schäden verursachen können, habe ich das ganze Ding, ähnlich wie vorher die Prilflasche, in mühevoller Kleinarbeit gründlich gereinigt.

Das ist Made in China! Mein Vertrauen in das gesamte Gerät, insbesondere die Druckfestigkeit der Schlauchverbindung, ist dadruch nicht unbedingt gestiegen.

Zu diesem Gerät gehört noch eine 1 Liter Auffangflasche, bei der sich der Deckel im Gegensatz zur ersten richtig verschließen lässt. Ich habe sie erst als weniger wichtiges Zubehörteil angesehen, aber sie hat sich als ausgesprochen praktisch gegenüber den früher von mir verwendeten Gefäßen erwiesen. Ich möchte sie nicht mehr missen. Nur am Ende ihres Schlauches, der auf die Entlüftungsventile gesteckt wird, war ein größeres, schwarzes Gummi-Verbindungsstück, das ich durch ein kurzes Stück Silikonschlauch 6 mm ersetzt habe. So sieht sie aus:

Um einen Anhalt dafür zu haben, wieviel Bremsflüssigkeit aus dem Auto in die Flasche gelaufen ist, habe ich sie noch vor der ersten Benutzung mit einem 0,2 Liter Messgefäß, Wasser und einem dicken, schwarzen Filzstift mit Einteilungen versehen. Dabei stellte sich heraus: Die Flasche fasst in Wirklichkeit keine 1,0 Liter, sondern nur gut 0,9. Nicht mal das bekommen die Chinesen hin:


Um es kurz zu erklären, das Entlüftungsgerät funktioniert folgendermaßen: Nach Abschrauben des Einfülldeckels 1...


... kann Bremsflüssigkeit eingefüllt werden. Die Chinesen sagen, dass 3 Liter hinein passen. Der Schlauch 2 geht innendrin bis ganz unten fast auf den Boden. Sein äußeres Ende wird mit Hilfe des auf einem späteren Foto sichtbaren Schaubadapters dicht auf den Bremsflüssigkeitsbehälter im Fahrzeug geschraubt. Durch Auf- und Abbewegen der Handpumpe 3 wird zusätzlich Luft in das Gerät gepumpt, so dass ein Überdruck entsteht. Dieser Überdruck sorgt dafür, dass Bremsflüssigkeit aus dem Gerät in den Vorratsbehälter im Fahrzeug gedrückt wird. Weil bei unbetätigtem Bremspedal eine direkte Verbindung besteht von beiden Kammern des Vorratsbehälters über die Nachlaufbohrungen im Hauptzylinder über die Zylinder selbst über die beiden vom Zylinder abgehenden Leitungen in den Rest der Bremshydraulik, ist dieser Überdruck überall vorhanden. Wenn man jetzt ein beliebiges Entlüftungsventil öffnet, läuft ohne weiteres Zutun munter Bremsflüssigkeit aus.

Am Füll- und Entlüftungsgerät gibt es ein Manometer, das den Druck im Inneren anzeigt. Wie man auf dem folgenden Foto sehen kann, beginnt der "Rote Bereich" des Manometers bei knapp 3 bar. Damit wäre ich aber sehr vorsichtig, weil ich dem Verbindungsschlauch zwischen Gerät und Auto 3 bar nicht wirklich zutraue. Man sollte sich darüber im Klaren sein: Wenn der Schlauch platzt oder sich vom Adapter am Vorratsbehälter löst, fließt einem der gesamte Bremsflüssigkeitsinhalt des Gerätes in den Motorraum. Weil ich das unter allen Umständen nicht wollte, habe ich zuerst mit dem leeren Gerät und dem nicht am Vorratsbehälter angeschlossenen abgedichteten Schraubadapter einen Drucktest mit 2,0 bar gemacht und dabei an diversen Stellen des Schauches herumgezogen. Dieser Test wurde bestanden. Später bei der eigentlichen Arbeit habe ich aus Sicherheitsgründen nur noch mit der Hälfte des Testdrucks = 1,0 bar gearbeitet. Das reicht vollkommen aus. Außerdem steht in irgend einem der VW Reparaturleitfäden des Golf 3, dass man bei Benutzung eines derartigen Gerätes den Druck nicht über 1,0 bar erhöhen soll:


Nun zu der eigentlichen Arbeit mit diesem Gerät. Um es in eine brauchbare Position zum Auto zu bringen, habe ich einen "Werkstattwagen" erfunden, bestehend aus einer aufgeklappten blauen 120 Liter Papiermülltonne und einer zweckentfremdeten Schiebetür eines Kellerschrankes als obere Ablage. Das ist sehr praktisch so, weil die Höhe genau richtig ist und das Ganze sich leicht in jede gewünschte Position verschieben lässt:


Die Verbindung zum Bremsflüssigkeitsbehälter mit dem Schraubadapter:


Mit der Handpumpe des Gerätes habe ich knappe 1,0 bar eingepumpt:


Und schon kann es losgehen. Angefangen habe ich natürlich vorn, wo ich beide Bremskreise vorher komplett entleert hatte. Die Auffangflasche ist am Entlüftungsventil des vorderen linken Bremssattels angeschlossen, der Schraubenschlüssel ist bereit zum Öffnen des Ventils:


Und schon plätschert die Bremsflüssigkeit nach Öffnen des Ventils...


...von selbst vom Bremssystem in die Flasche:


Vorn habe ich es bei einer ausgelaufenen Menge von 0,2 Litern belassen und das Entlüftungsventil geschlossen. Weil dieser Bereich der Bremshydraulik vorher bis auf minimale Reste leer war, kann man davon ausgehen, dass die gesamte Hydraulik dieses Bremskreises bis zum linken Vorderrad jetzt mit neuer Bremsflüssigkeit befüllt ist:


Danach: Wiederholung des Ganzen am rechten Vorderrad. Nach dem Verschließen des Entlüftungsventils und vor dem Aufdrücken der Staubkappe bekommt jedes Ventil etwas zähflüssiges, nach Trocknung dauerelastisches Wachs, das den Gewindespalt des Ventils verschließt. Das sorgt dafür, dass kein Wasser hinein kommen kann mit der Folge, dass man die Ventile auch nach Jahren noch problemlos öffnen kann:


Als vorn alles fertig war, ging es hinten weiter. Blöd ist, dass das ohne Abbau des jeweiligen Rades nicht geht. Das Ventil ist schon geöffnet, und die Bremsflüssigkeit plätschert in die Auffangflasche:


Weil die Bremsleitungen hach hinten länger sind und weil sie nicht wie die vorderen vollständig entleert worden waren, lasse ich hinten gewöhnlich eine größere Menge Bremsflüssigkeit durchlaufen: 0,4 Liter pro Rad. Ich finde es absolut faszinierend, stressfrei zusehen zu können, wie die Flüssigkeit aus der Bremshydraulik des Autos von selbst in die Auffangflasche läuft. Deren Deckel sollte man nicht ganz dicht verschließen, damit Luft ausströmen kann, die durch die einlaufende Flüssigkeit irgendwo hin möchte. Und: Weil durch die ausfließende Bremsflüssigkeit der Druck im Füll- und Entlüftungsgerät allmählich abnimmt,, kann es nötig sein, etwas an der Handpumpe nachzupumpen, wenn die Flüssigkeit nur noch ganz langsam läuft:


Ganz zum Schluss muss der Schraubadapter des Gerätes wieder vom Vorratsbehälter abgeschraubt werden. Dabei kann das Problem bestehen, dass der Behälter jetzt randvoll ist. So war es jedenfalls bei mir. Um den Adapter ohne Sauerei abzubekommen, bin ich folgendermaßen vorgegangen: Ich habe bei noch angeschlossenem Gerät erstmal durch Öffnen des Einfülldeckels am Gerät den Druck abgelassen und den Rest der darin befindlichen Bremsflüssigkeit ausgeschüttet. Dabei den Schlauch zum Fahrzeug so bewegt, dass er möglichst leer wird. Dann den Deckel wieder aufgeschraubt und per Handpumpe Luft eingepumpt, die jetzt ohne Bremsflüssigeit im Gerät war. Sodann eins der vier Entlüftungsventile geöffnet und Bremsflüssigkeit auslaufen lassen, bis der Flüssigkeitsstand im Behälter in etwa stimmte. Von oben strömt dabei Luft nach. Nach Ablassen des Drucks am Gerät kann der Schraubadapter jetzt gefahrlos und ohne Sauerei vom Vorratsbehälter abgeschraubt werden. Wenn man, wie es bei mir war, zu viel Bremsflüssigkeit hat auslaufen lassen, so dass der Stand im Behälter jetzt etwas zu niedrig war, musste auf normale Weise etwas nachgefüllt werden - natürlich mit der Pril-Flasche.


3. Einbau eines anderen Lenkrades

Das andere Lenkrad, das in den roten Variant sollte, hatte ich schon geschlagene acht Jahre auf meinem Dachboden gelagert. Es war halt immer irgend etwas wichtiger. Auch jetzt hatte ich eigentlich keine Zeit dafür. Aber es musste jetzt sein, weil ich das bisherige Lenkrad des Variant für das Cabrio brauchte, dessen Lederlenkrad nicht mehr wirklich schön war. Das bisherige aus dem Variant war auch ein originales VW Lederlenkrad, das ich einst als Neuteil eingebaut hatte. Nach nur ca. 35.000 Kilometern war es noch fast wie neu.

Das Lederlenkrad, das dafür jetzt in den Variant sollte, war eins mit flashroten Nähten, das wunderbar zur Außenfarbe des Autos passt. Es ist ein originales VW-Teil mit der Teilenummer 1H0 419 091 AD EBS, das es im Jahr 2011 für sagenhaft günstige EUR 99,00 bei VW Classic Parts gab. Nach der Teilenummer könnte man denken, dass es ein Golf 3 Teil ist. Ist es aber nicht wirklich, weil es in dieser Ausführung nur am Polo 6N Colour Concept verbaut wurde. Denn es hatte neben den roten Nähten auch rote Hupentasten, die nicht unbedingt meinen Geschmack treffen. Das große, runde Hauptteil des Lenkrades mit den roten Nähten ist aber exakt dasselbe wie es ab Werk auch im Golf 3 GTI verbaut wurde. Bei dem damaligen günstigen Preis von nur 99 Euro frage ich mich heute, warum ich damals nur eins und nicht zwei oder drei Stück gekauft habe. Sie würden mir heute aus der Hand gerissen:




Hier sind die kirmesroten Hupentasten schon vom Lenkrad abgebaut. Und auch die Airbag-Wickeltrommel mit Schleif- und Rückstellring, die dazu gehörte. Alle diese Zubehörteile wollte ich vom bisherigen Variant-Lenkrad übernehmen:




Jetzt schon mit angebauten schwarzen Hupentasten...


...und jetzt auch mit angebauter Airbag-Wickeltrommel mit Schleif- und Rückstellring:


Bevor ich das bisherige Lenkrad von der Welle abgezogen habe, habe ich es so gedreht, dass es genau gerade stand, um das neue in genau dieser Position aufstecken zu können. Zwischendurch: Seltsamer Anblick des Golf 3 Cockpits ohne Lenkrad:


Das neue Lenkrad ist aufgesteckt und die Mutter SW24 mit den vorgeschriebenen 50 Nm festgezogen:


Jetzt auch mit Fahrerairbag = Fertig. Geschlagene acht Jahre musste dieses Lenkrad bei mir liegen, bevor ich den Moment erleben durfte, dass es fertig dort war, wo es hin sollte:


Abrunden ließe sich das jetzt noch wunderbar mit einer Handbremshebelverkleidung, die auch rote Nähte hat. Weil ich in diesem Punkt aber anpruchsvoll bin, müsste es die Ausführung sein, bei der die komplette Verkleidung mit Leder bezogen ist und nicht nur wie bei den meisten das vordere Griffteil. So etwas gab es auch bei VW, ist aber schon seit Ewigkeiten ohne Ersatz entfallen. Die Aussichten, so ein Teil in tadellosem Zustand zu finden, halte ich für minimal bis nicht vorhanden. Da bleibt wohl nur übrig, so etwas irgendwann mal (hoffentlich noch in diesem Leben) in Eigenproduktion in Angriff zu nehmen oder in Auftrag zu geben. Also bleibt es vorerst bei der schwarz bezogenen Verkleidung, die komplett mit Leder bezogen ist, mit schwarzen Nähten:



Was ich in diesem Zusammenhang bei abgebauten Vorderrädern noch gemacht habe:

+ Stärke der vorderen Bremsbeläge gesichtet. Noch ca. 5 bis 6 mm nutzbare Stärke vorhanden = kein Handlungsbedarf

+ Vordere Bremsschläuche sorgfältig untersucht, vor allem die Problemstelle, an der sie infolge häufiger Bewegung schonmal aufquellen: Keine Beschädigung erkennbar.

+ Den Bremsstaub von den vorderen Rädern abgewaschen, weil das bei abgebauten Rädern so schön geht. Anschließend die Felgen neu konserviert:


+ Und später noch die Batterie nachgeladen:


Auf anschließender Fahrt zum Wegbringen des Altöls habe ich noch zwei Fotos bei Tageslicht gemacht:




Damit war jetzt alles erledigt, was ich mir für dieses Jahr mit diesem Auto vorgenommen hatte. Ein paar andere Sachen, für die das Auto aber nicht aufgebockt werden musste, hatte ich schon vor ein paar Wochen erledigt. So kam der Variant jetzt erstmal wieder auf seinen Tiefgaragenplatz. Vielleicht gibt es an einem sonnigen Herbsttag ja noch eine Gelegenheit, eine schöne Reise mit ihm zu machen.


Was sonst noch passiert ist:

Während dieser Zeit kam ein großes Paket von VW Classic Parts an:


Es enthielt unter anderem zwei neue vordere Stoßdämpfer 1H0 413 031 P, das sind die originalen für den Variant. Denn bei den letzen Hauptuntersuchungen hatte sich gezeigt, dass der vordere linke Stoßdämpfer deutlich an Wirkung nachgelassen hat. Auch scheinen mir die Gummilager in den vorderen Federbeindomen nach 21 Jahren erneuerungsbedürftig zu sein. Das ist alles für das nächste Frühjahr vorgesehen:




Ich wusste gar nicht, dass es genau diese Stoßdämpfer bei VW Classic Parts gibt, weil sie in der Teileliste nicht entsprechend gekennzeichnet sind. Aus dem normalen Teileprogramm sind sie schon im Februar 2015 entfallen. Ich habe sie zufällig beim Durchsehen der "Special Deals" = Sonderangebote bei VW Classic Parts, die immer für zwei Wochen gültig sind, entdeckt. Da habe ich gleich zwei Stück bestellt, zusammen mit noch ein paar Kleinteilen von meinem Merkzettel. Für sehr günstige EUR 49,49 pro Stoßdämpfer. Jetzt kosten sie wieder EUR 169,00 pro Stück.

Puh, war das ein langer Text! Demnächst geht es hier wieder mit dem Cabrio weiter.

Grüße Teletubby

Geändert von Teletubby (12.09.2019 um 14:10 Uhr)
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Alt 11.09.2019, 12:56 #1542
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Wie immer ein sehr toller Bericht, den ich gerne gelesen habe und ich finde die ausführlichen Texte und die vielen Bilder wirklich immer sehr, sehr toll. Vielen Dank für die Mühe und bitte immer so beibehalten

Und danke für die Erläuterungen zu dem Bremsflüssigkeitswechselgerät (was ein Wort ), so eines möchte ich mir auch noch zulegen.

Vom Absaugen an den Entlüftungsventilen halte ich eher nichts, da so die Gefahr besteht, dass man sich Luft durch die Gewinde der Entlüftungsschrauben ins System zieht. Deshalb besser diese Variante, mit der man es mit Überdruck durch das System drückt, anstatt dass man es mit Unterdruck an den Entlüftungsschrauben zieht/absaugt.
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Alt 11.09.2019, 20:12 #1543
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Ein sehr schönes Lenkrad hast du da.
Ich habe mir bei eben dieser Sonderaktion im Jahr 2011 ein Lenkrad mit grünen Nähten gekauft. Ich ärgere mich bis heute, das ich nicht gleich zwei gekauft habe!

Die Stoßdämpfer vom Variant haben ne ziemlich fette Kolbenstange. Hatte diese nach dem Ausbau mal mit Zubehörteilen von Sachs, al-ko und Kayaba verglichen. Der Unterschied hat mich doch überrascht.


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