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Alt 16.07.2017, 01:07 #1
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Standard Bremssattel überholen

Mal ein kompakter Beitrag zum Thema Bremssättel überholen.
Die Arbeit ist kein Hexenwerk und auch keine "hohe Wissenschaft". Sie erfordert aber unbedingt sorgfältiges Arbeiten, Geduld und ist auch nichts für Leute, die vor ein paar Wochen angefangen haben was am Auto zu machen. Sprich: Eher für die erfahrenen "Schrauber", die auch wissen wie man Bremse entlüftet und schon Geschick besitzen.

Was braucht man so alles?
Neben typischen Standardwerkzeug solltet ihr feines Schleifpapier haben, 1000er und 2000er. Ebenso einen kleinen, dünnen Kunststoffkeil und ein Bremsleitungsschlüssel 11x13 ist optimal (Aber nicht zwingend). Ein Helfer sollte man sich auch bereit halten, aber das entscheidet dann ihr. Den Keil ggf. stumpf schleifen, es dürfen keine spitzen/scharfen Kanten vorhanden sein.

Ein solcher Kunststoffkeil ist nützlich.


Beschaffen solltet ihr:

- Bremszylinderpaste. Die Tube gibts für 10-15€ im Netz oder beim Teileonkel. Kein Fett, kein WD40 oder Schmieröl. Bremszylinderpaste, denn die verträgt sich mit der Bremsflüssigkeit.

- Bremsflüssigkeit, weil das System logischerweise entlüftet werden muss.
- Ein Überholkit. VW vertreibt z.B. die Vierkantdichtung und die Schutzmanschette als Set, im Zubehör gibt es jedoch auch Kits bei denen ein neuer Kolben dabei ist. Das ist optimal, spart Zeit, Arbeit und obendrein ist das Ergebnis deutlich sicherer.

Wie sieht die Arbeit aus?

1. Zunächst baut man den Bremssattel aus. Den Bremsschlauch könnt ihr mit dem Abdeckkäppchen des Entlüfterventils verschliessen, erspart die riesen Pfütze unter dem Auto. Oder eben das Pedal drücken und fixieren, dann läuft ebenso keine Bremsflüssigkeit mehr aus. (--> Sicherung fürs Bremslicht rausnehmen!)

2. Baut auch den Bremssattelträger aus. Der wird auch noch dran kommen.

3. Ein Bremssattel besteht im Grunde aus wenigen Teilen:
Bremssattelgehäuse mit Bohrung, der Bremskolben und dessen Abdichtung. (Gibt noch weitere, vorerst unwichtig.)


Das Reparaturkit beinhaltet alle wichtigen Verschleißteile.

Hier wollen wir ums um den Kolben, dessen Abdichtung und die Bohrung/Zylinder kümmern.

Zur Abdichtung: Die Rechteckdichtung/Vierkantdichtung weiter innen im Zylinder dichtet den Kolben zur Bremsflüssigkeit ab. Die Manschette, weiter außen, dichtet gegen Schmutz und Feuchtigkeit von außen ab! Ist diese beschädigt, so beginnt der Kolben zu rosten mit "lustigen" Folgen wie z.B. eine hängende Bremse.

Der Zylinder besitzt zwei dünne Bohrungen: Die eine leitet Bremsflüssgikeit aus dem Bremsschlauch ein. Wirds Bremspedal betätigt, so schiebt man die Bremsflüssigkeit in den Bremssattel und drückt somit den Kolben hinaus. Die zweite Bohrung für zum Entlüfterventil.

Zunächst müssen wir den Kolben ausbauen. Das kann auf drei Arten geschehen:
1. Druckluft in den Bremssattel einleiten, dadurch wird der Kolben hinausbewegt.
2. Bremsflüssigkeit in den Kolben einleiten, dadurch wird der Kolben hinausbewegt. Also Bremssattel ausgebaut, aber am Hydrauliksystem des Autos angeschlossen.
3. Kolben "packen" und herausziehen. (Suboptimal, nur wenn ihr den Kolben sowieso erneuert).

Ich bevorzuge Möglichkeit 1. Das geht auch mit einer Luftpumpe wo man den spitzen Aufsatz aufsteckt. Oder eben Druck-/Pressluft. Ich habe es mit der Fahrradluftpumpe geschafft, die geht bis 10bar und das genügte völlig.

Wichtig: Der Kolben schießt ordentlich aus dem Sattel heraus. Legt einen Holzscheit in den Sattel ein, der den Kolben "abfängt". Wer sich unbedingt die Finger brechen will, der hält diese während des Auspressen vor dem Kolben.
Alle anderen nehmen tunlichst die Hände und Finger aus der Nähe des Kolbens. Das Teil kommt mit ordentlich Schmackes heraus!


Also Holzstück vor den Kolben legen, einen alten Lappen unterlegen (Schützt vor Bremsflüssigkeit) und dann die Luft in die Bremsschlauchbohrung einleiten. Falls das nicht klappt, des Hydrauliksystem des Autos zur Hilfe nehmen. Achtet da bitte darauf, dass ihr das Bremspedal nur so weit tretet, wie sonst auch. Nicht bis zum Bodenblech durchtreten, es besteht Beschädigungsgefahr für die Manschette des Hauptbremszylinders! Und legt auch hier was darunter, sonst saut ihr euch den Boden ein ...und die Natur mag DOT4 nicht.



4. Ist das geschafft wird der Kolben aus der Bohrung entnommen. Hierbei trennt sich die Verbindung zur Manschette und die restliche Bremsflüssigkeit saut den Arbeitsplatz ein.

5. Mit den bloßen Fingern kann nun die Manschette aus der Nut in der Bohrung herausgezogen werden.


6. Jetzt wird die Bohrung beguachtet. Ist die Fläche hinter der Viereckdichtung zum Sattel sauber, also ohne Rost und tiefe Riefen? Das ist wichtig. Zeigt sich hier tiefer Rost oder starke Riefen so ist der Sattel schrottreif.

7. Wie schaut der Kolben aus? Die Flächen welche über die Dichtung "fahren" dürfen nicht zu sehr verrostet sein, tiefe Riefen sind ebenso ein No-Go. Am besten gehts eh mit einem neuen Kolben.


Dieser Kolben ist reif für die Altmetalltonne. Zu starker Rost und zu starke Riefen/Kratzer.



Dieser kann noch gerichtet werden, wobei es schon grenzwertig ist. Der Rost am oberen Teil ist tief. Bei fast völlig zurückgedrückten Kolben (Neue Beläge) könnte es Probleme geben. Der Rost weiter unten ist unkritisch, da nicht zu tief.

8. Wenn 6. und 7. keinen Grund zur Sorge geben, so kann die Viereckdichtung herausgehebelt werden. Nehmt dazu Kunststoff-/Holzwerkzeug, damit die empfindliche Lauffläche nicht verschrammt wird.


9. Reinigt die Bohrung mit Bremsenreiniger. Vorhandene leichte Korrosion im Zylinder/am Kolben mit 1000er Papier beseitigen, anschließend mit 2000er "glätten". Bitte keine Axialriefen einschleifen, vor allem nicht auf dem Kolben! Anschließend Kolben, Zylinder und die Nuten für die Dichtungen mit Bremsenreiniger reinigen, ggf. noch ausblasen.
Peinliche Sauberkeit ist hier Pflicht!

10. Nehmt nun die Bremszylinderpaste und schmiert damit die Bohrung/Zylinder dünn und gleichmäßig ein. Ebenso die Nut für die Vierkantdichtung.

11. Vierkantdichtung mit Bremszylinderpaste einstreichen und sorgfältig in die Nut einlegen. Nicht verdrehen und nicht mit scharfen/spitzen Werkzeug behelfen!


Zylinder dünn mit Bremszylinderpaste geschmiert, Rechteckdichtung geschmiert und eingelegt. Vor Montage des Kolbens die Dichtung nochmals dünn schmieren um die Montage zu erleichtern.

12. Den neuen (Oder gereinigten) Kolben mit der Paste dünn und gleichmäßig bestreichen. Anschließend die Manschette über den Kolben schieben. Wenn diese in dessen Nut springt, so hebt die Manschette heraus und zieht sie bis knapp zum Ende des Kolbens.

13. Jetzt kommt der Part wo Geduld und Geschick gefordert sind. Nichts für Choleriker oder Grobmotoriker. Die Manschette muss in die Nut des Bremssattels, während noch der Kolben "in ihr" steckt. Das ist ein Heidenspass, weil der glitschige Kolben herausfällt, die Manschette nicht sofort in die Nut will oder die Manschette wieder zu weit auf den Kolben rutscht.

Geduld ist hier das A&O. Setzt die Manschette zuerst in die Bremssattelnut ein. Ggf. mit einem stumpfen, weichen Werkzeug helfen.

Die Manschette sitzt im Bremssattel, der Kolben ist in die Manschette eingesetzt (Vorher zu erledigen!)

Wenn sie richtig sitzt, dann wirds wieder etwas fummelig:
14. Denn der Kolben muss nun in den Zylinder und über die Vierkantdichtung. Den Kolben absolut gerade und nicht verkantet einführen. Habt ihr das geschafft (Bitte ohne Hilfswerkezuge, nicht irgendwie hebeln... das geht mit einer kräftigen Hand ohne Werkzeuge!), so könnt ihr den Kolben mit den Fingern zurückdrücken.
Nicht mit Werkzeug, mit den Fingern!

15. Der Kolben wir soweit zurückgeschoben, bis die Manschette in die Nut des Kolbens "einrastet".


16. Dicken Holzscheit einlegen*, nochmals vorsichtig den Kolben etwas ausfahren lassen. Sitzt die Manschette ordentlich auf dem Kolben und im Zylinder?
Dann den Kolben von Hand zurückdrücken, ihr habt ja alles richtig sauber gemacht und gut geschmiert, deswegen könnt ihr den Kolben von Hand zurückdrücken.

* Deutlich dicker als vorher. Wir wollen den Kolben hier nur etwas herausbewegen, nicht komplett aus dem Zylinder drücken! Deswegen dickeren Anschlag nutzen! Wenn der Kolben rausgedrückt wurde, dürft ihr den wieder reinfummeln....

17. Bei meinem Satz waren diverse Entlüfterventile dabei. Passenden suchen und einschrauben. Nutzt dazu einen Bremsleitungsschlüssel, dann bleibt der Sechskant heile.

18. Ebenso war ein Satz Manschetten für die Führungsbolzen dabei. Also Bolzen aus dem Sattelträger herausziehen, säubern, ggf. sauberschleifen. Mit dem beiliegenden Fett den Bolzen einstreichen, Manschette auf den Bolzenkragen aufdrücken/überziehen. In die Manschette auch ein wenig Fett füllen, dann wieder in den Bremssattelträger einsetzen und Manschette auch dort befestigen.

19. Gleitfläche der Bremsbeläge auf dem Sattelträger sauberbürsten. Wers mag, der trägt dünn Anti-Quietsch-Paste oder Keramikpaste auf. Kupferpaste geht auch, wobei manche davon abraten.

20. Der Bremssattel ist damit fertig. Einbauen, entlüften und dann Dichtigkeitskontrolle durchführen. Dazu alles säubern und trocknen, das Bremspedal belasten/arretieren und so 5 Minuten betätigt lassen. Sichtkontrolle: Ist irgendwo Bremsflüssigkeit ausgetreten?


So kann das Pedal z.B. arretiert werden.


Wie ihr seht, kein Hexenwerk. Das Repset inkl. des Kolben für den Lucas 54 hat 10€ gekostet.

Viel Erfolg und bitte: Macht die Arbeit nur, wenn ihr sie euch zutraut und wisst was ihr macht!



Geändert von GTFahrer (16.07.2017 um 01:17 Uhr)
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Alt 16.07.2017, 10:25 #2
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Hallo!

Schön!

Zitat:
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Kein Fett, kein WD40 oder Schmieröl. Bremszylinderpaste, denn die verträgt sich mit der Bremsflüssigkeit.
Und verträgt sich vor allem nicht mit den Gummiteilen der Bremsanlage, die bei Kontakt mit Produkten auf Mineralölbasis aufquellen und unbrauchbar werden. Deshalb zur Reinigung von Teilen der Bremshydraulik nur Spiritus verwenden!


Zitat:
Zitat von GTFahrer Beitrag anzeigen
Nicht bis zum Bodenblech durchtreten, es besteht Beschädigungsgefahr für die Manschette des Hauptbremszylinders!
Nein, bitte nicht schon wieder diesen Blödsinn! Das hatten wir hier im Forum doch gerade erst in einem anderen Thread! http://www.golf3.de/werkstatt/127933...ml#post1825695 Siehe Beitrag 13.

Freundliche Grüße
Teletubby

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Nun ja, ich kenne da zwei Personen die damals einen 124er MB entlüftet haben. Und dabei haben die auch den HBZ ins Nirvana gejubelt (Es konnte kein Druck mehr aufgebaut werden). Erstaunlich war damals, wie günstig jener bei Mercedes war... und er war sogar vorrätig
Ich weiß aber nicht, ob das bei den Kisten eine typische Schwachstelle ist. Bei regelmäßig gewechselter Bremsflüssigkeit dürfte sich eigentlich sowieso kein Rost bilden, da man ja immer "frische" Flüssigkeit mit wenig bzw. gar keinem Wasseranteil im System hat.



Geändert von GTFahrer (16.07.2017 um 18:44 Uhr)
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